Es rauscht wie Freiheit. Es riecht wie Welt. Natur gewordene Planken Sind Segelschiffe. Ihr Anblick erhellt Und weitet unsere Gedanken Joachim Ringelnatz
Es rauscht wie Freiheit. Es riecht wie Welt. Natur gewordene PlankenSind Segelschiffe. Ihr Anblick erhelltUnd weitet unsere Gedanken Joachim Ringelnatz

Die Reviere

Die Nordsee hat in jeder Hinsicht eine sehr bewegte Geschichte. Vor etwa 350 Mio Jahren lag der Grund noch nahe dem Äquator auf dem gigantische Farnwälder standen. In der jetzigen Lage und Gestalt ist die Nordsee etwa 13000 Jahre alt.

Als eines der größten Randmeere der Welt wird sie im Südwesten vom Englischen Kanal und im Norden vom Atlantik durch den Gezeitenstrom in Bewegung gehalten. Westlich bietet die Britische Insel einen Schutz vor den Atlantikwellen und macht dieses flache Meer dennoch nicht zu einem geschützten Gewässer. Zahlreiche Wracks und Namen wie Jammerbucht oder Devil's Hole  legen Zeugnis von den Gefahren für die Seefahrt ab. Wilfried Erdmann beschreibt es so: ".. die Wirklichkeit sieht anspruchsvoll aus. Gezeiten, Stürme, Sände, Verkehr, Bojenwege machen die Nordsee zu einem der schwierigsten Meere der Welt". Im Osten begrenzt der Skagerrak, im Nordosten die Norwegischen Fjorde und im Süden das Wattenmeer die Nordsee. 

Nicht nur erdgeschichtlich war dieses Revier in ständiger Bewegung. Die Hanse hat viele Städte zu Perlen der mittelalterlichen Kultur und Architektur entwickelt. Engländer und Niederländer haben im späten Mittelalter in zahrlreichen Seeschlachten um die Vorherrschaft im lukrativen Seehandel gekämpft. Während des zweiten Weltkrieges wurde an den Küsten der einstige Größenwahn einer ganzen Nation in Beton gegossen. Nachdem in jüngerer Zeit die Fischerei ihre Bedeutung durch Überfischung und Meeresverschmutzung weitgehend verloren hat, ist die Öl- und Gasförderung wirtschaftlich bestimmend. Für den Segler sind die vielen Plattformen und zunehmend die Windparks  Hindernisse, die aber die herbe Schönheit dieser heute weitgehend intakten Natur nicht verdrängen können.

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Westlich der Schottischen Main Lands liegen die Hebriden, die von Nord nach Süd in den Gewässern The Minch, The Little Minch und der Sea oft the Hebrides liegen. Laut IHO wird dieser Meeresabschnitt auch als Inner Seas off the West Coast of Scotland oder kurz Schottische See bezeichnet und ist Teil des Nordatlantiks. Es ist ein Reich von etwa 500 Inseln, von denen nur etwa 50 bewohnt sind. Geteilt wird das Inselreich durch die äußeren Hebriden mit der Hauptinsel Lewis und den inneren Hebriden mit der größten Insel Sky. Von Nord nach Süd erstrecken sich der Minch über ca. 120 sm. Dieser Teil ist durch die Inseln Lewis, Harris und Uist vor dem rauen Atlantik geschützt. Von West nach Ost beträgt die Distanz nur etwa 30 sm. Die Sea oft the Hebrides ist dagegen den Wellen des offenen Atlantiks ausgesetzt. Von Süd-Uist bis zur Insel Islay durchmisst dieses Seegebiet etwa 90 sm. Eine vor Starkwind oder Sturm Schutz suchende Segelyacht findet innerhalb einer Tagesreise von ca 50 sm in Tobermory oder Mallaig hervorragenden Schutz. Im nördlichen Teil, dem Minch, kann eine Segelyacht dagegen schon innerhalb einer Distanz von 30 sm einen Sturm sicher abwettern. Die vorherrschenden Winde kommen aus West bis Südwest. Im Frühjahr bringt ein nordskandinavisches Hochdruckgebiet Winde aus nördlichen Richtungen, im Winter kommen auch östliche Winde vor. In den Monaten Mai bis August ist die Sturmhäufigkeit mit nur 0,5 Tagen pro Monat gering. 5 bis 7 Beaufort sind die Windstärken, auf die ein Segler sich in der Regel einstellen muss. Atlantikstürme werden durch die vorgelagerten Inseln zwar abgeschwächt und die hohen Atlantikwellen werden an den äußeren Hebriden jäh gestoppt, dennoch entwickelt sich im  Seegebiet zwischen den Hebriden ein unangenehmer Seegang, der durch die Tidenströmung, z. B. im Little Minch, bei Wind gegen Strom, eine Yacht auf eine harte Probe stellt. Generell ist das Wetter sehr wechselhaft, an manchen Tagen durchsegelt ein Schiff alle vier Jahreszeiten. Dank der sehr guten Wetterberichte, kann sich jeder Skipper leicht auf diese Wetterbedingungen einstellen. Daneben ist der Gezeitenwechsel immer ein törnbestimmender Faktor. Die Tidenhöhe liegt zwischen 5,5 Metern bei Spring- und 1,5 Metern bei Nipp-Zeit. Der Tidenstrom ist natürlich dort am höchsten, wo sich enge Meerespassagen den enormen Wassermassen entgegenstellen. Im Kyle Rhea ist er mit bis zu 9 Knoten am stärksten. Die Sicht ist, wie überall im Norden, ausgezeichnet. Nebel kommt selten vor, dafür schränken mitunter starker Regen und Drizzle (Sprühregen) die Sicht ganz erheblich ein. Der Meeresboden ist sehr stark mit Kelp bewachsen, dazu ist darunter der Boden sehr fest, so dass Anker oft schlecht Halt finden. Bemerkens- und für Segler beachtenswert sind auch die starken Fallwinde, die an den Osthängen hoher Berge auftreten und eine Yacht durchaus  in Bedrängnis bringen können.

Das Wasser ist sehr klar und türkis blau. Mit den Inseln um einen herum hat man den Eindruck, in einer intakten Natur zu leben. Weder Bohrtürme noch extensive Windparks versperren die Sicht, einzige rauchende Schornsteine sind die der Whisky Brennereien; auch der Fischfang ist überschaubar. Der erste Eindruck aber täuscht. Auch hier findet sich an Stränden der Inseln eine unglaubliche Menge Abfall. Auf der Insel Eigg haben die Schüler diesen Plastikskandal behandelt und eine beeindruckende Ausstellung in dem Inselmuseum zusammengetragen. 

Auch ein anderer Skandal ist allgegenwärtig. Im 19. Jahrhundert verließen tausende Menschen dieses Inselreich um vor Hunger, Krankheit und unmenschlicher Ausbeutung zu fliehen. Das geschah überwiegend nicht freiwillig. Vielmehr zwangen die Landlords die Menschen, ihrer Heimat den Rücken zu kehren, weil es für diese Herren billiger war für eine Überfahrt zu zahlen als den damals neuen Londoner Gesetzen zu folgen und sich um Bildung, Gesundheit und Ernährung zu kümmern. 1884 schrieb eine von London eingesetzte Untersuchungskommission von einem „Zustand des Elends, der Ungerechtigkeit und langer, geduldig ertragener Leiden, ohne Parallele in der Geschichte unseres Landes“. 

1773 schrieb der Schriftsteller Dr. Samuel Johnson von der Insel Skye an eine Londoner Freundin: „Schottland sehen, Madam, heißt nur, ein schlechteres England sehen. Die Hebriden sehen, heißt indes, ein ganz anderes Land sehen“. So wie damals kommt ein Reisender, egal ob zu Land oder zu Wasser, noch heute ins Schwärmen.

 

Die Irische See ist per Definition des Internationalen Hydrographischen Instituts ein Randmeer des Atlantiks. Sie grenzt im Norden an den North Channel in einer Linie zwischen dem Mull of Galloway in Schottland und Ardglass in Irland. Im Süden grenzt sie an den St. George Channel in einer Linie zwischen Rosslare in Irland und St Davids in Wales. Mit einer Größe von 46.000 km² ist sie im Vergleich zur Nordsee, die 575.000 km² umfasst, klein. Von Nord nach Süd beträgt die Distanz 143 sm und ist damit rel. schnell durchsegelt. Eine Konstante dieses Seegebietes ist das sehr wechselhafte Wetter. Bei vorherrschenden westlichen bis südwestlichen Winden bietet die Irische Küste immer guten Schutz in Lee und viele geschützte Häfen. Segelt man von West nach Ost ist die Situation anders. Wales ist eine Küste mit wenigen Häfen, die dazu meist tidenabhängig sind bzw. trocken fallen. Die sehr sehenswerte Isle of Man bietet in Peel einen sicheren Hafen, der bei Hochwasser +/- 2h geöffnet wird. Etwa auf der Breite von 54° Nord teilt sich der Strom in der Irischen See. Bis Hochwasser Dover fließt das Wasser in die Irische See, nach Hochwasser Dover fließt das Wasser wieder hinaus. Hat man also im North Channel einen nach Süden setzenden Strom, setzt er im St Georges Channel nach Nord und umgekehrt. In der Bucht westlich des 005. Längengrades von Greenwich zwischen Ardglass und Dublin herrscht deshalb praktisch immer ein stromloser Zustand, der im Englischen "Slack" genannt wird und leicht zu durchfahren ist. In den Gewässern nördlich und südlich des beschriebenen Gebietes treten Strömungen zwischen 2 und 3 Knoten auf. Auf der Isle of Man, in Port St. Mary, hatten wir einen Tidenhub von 9 Metern, im Irischen Arklow waren es dagegen nur 60 cm.  Die Sicht ist überwiegend gut, wird aber nicht selten sehr schlecht (!) durch den mitunter lang anhaltenden Nieselregen, den eine langsam verlagernde Warmfront verursacht. Neben der beeindruckend schönen Natur sowohl der englischen-, der walisischen- und der irischen Küste liegt der besondere Reiz dieses Reviers in seiner wechselhaften Geschichte. Von einem Segelschiff aus betrachtet, das von  west nach ost die Irische See kreuzt, versteht man sehr gut die Begehrlichkeiten, die das grüne und wirtschaftlich reiche Irland bei den im Mittelalter mit modernsten Waffen gerüsteten einstigen englischen Herrschern geweckt haben. Die irische Bevölkerung hat dafür einen unglaublich hohen Preis gezahlt. Für mich ist es das traurige Beispiel der späteren Kolonialpolitik der sogenannten westlichen Welt.

 

Die Seglergemeinschaft ist umweltbewusst

Das Thema Umweltschutz wird im Lehrbuch zum Sporthochseeschifferschein mit den Worten eingeleitet: Wir müssen unsere Umwelt schützen , wenn wir Lebensqualität und eventuell sogar Lebensmöglichkeit auf unserer Erde erhalten wollen.

Die Ozeane sind mit etwa 100 bis 140 Millionen Tonnen Plastikmüll belastet. Im Nord-Pazifischen  Äquatorialstrom schwimmt ein Müllteppich, der größer ist als der Subkontinent Indien. Dieser schwimmende Abfall macht aber nur 15% des gesamten Plastikmülls aus, der die Ozeane belastet. Weitere 15% liegen an den Küsten, 70% auf dem Meeresboden. 

Dieser Müll-Skandal wird verursacht durch skrupelloses Handeln von Industrie und Regierungen. Aber auch durch das gedankenlose Verhalten vieler Konsumenten. 

Plastikmüll ist leider nicht das einzige Problem. Gerade die Nordsee ist ein gutes Beispiel für Geldgier versus Vernunft. In den siebziger Jahren wurden hier hochgiftige Chemieabfälle verklappt und verbrannt. Nach den Weltkriegen wurde massenhaft konventionelle aber insbesondere chemische Munition versenkt. Danach hat sich die Nordsee in ein riesiges Industriegebiet verwandelt. Das sensible Randmeer ist überfischt, Oel und Gas wird gefördert und riesige Windparks errichtet. Das hinterlässt Spuren!

Es hat sich in der Nordsee vieles verbessert. Das Wattenmeer ist Weltkulturerbe der Vereinten Nationen! Dennoch ist diese vielfältige Umwelt auch weiterhin gefährdet. 

Hier möchte ich zeigen, wie ich diese Umwelt, die so wenige Menschen sehen, wahrnehme.

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The Highland and Island Clearances
Zitate aus dem Napien Report von 1883, der die
Lebensumstände der schottischen Landbevölkerung untersucht.
Von Andreas Stübbe ausgesucht, bebildert und übersetzt
Clearances, Napien Report.pdf
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Spuren im Sand
Ein Fotoessay
von Andreas Stübbe
aufgenommen an der Westküste Dänemarks
Momentan in Bearbeitung
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© Andreas Stübbe